lige Stuhllehne. Seine fetten, roten Backen und die formlose, dicke Nase glänzten wie mit Speck abgerieben. Die vorge- schobene Unterlippe sah aus wie eine dunkelrote, feuchte
Wegeschnecke. Die warme Julisonne beleuchtete dies wenig anmutige Ge-
‘sicht und das ebenso unbewegliche der Kaiserin Auguste
Viktoria auf dem gelbgrün verschossenen Öldruck hinter ihm auf einer mit Fliegenschmutz und Spinnweb bedeckten, rot- braun gekringelten Tapete.
Die Tür öffnete sich leise. Ein unansehnliches Mädchen mit wächsern blassem Gesicht, in das unordentlich blonde Haarzotteln hingen, kam herein. Ein drahtfestes Pincenez an schwarzer Schnur schwankte vor ihren wasserblauen, gut- mütigen Augen. Ihr Blick begegnete betrübt dem fragenden, der sie erwartete. Sie zog ein punktiertes Taschentuch aus ihrem Sekretärinnenkleid und schneuzte sich umständlich.
„Hör auf mit Naseputzen, sagte Wohlmann grob. Er sprach laut und betont mit fremdem Akzent:„Sag, was los ist.“
Das Mädchen, kaum halb so alt als der feiste, kleine Mann, antwortete ohne jede Empfindlichkeit mit einer dünnen, hohen Stimme:„Wirklich krank, Herr Direktor“, sagte sie,„er liegt unter dem Federbett und jammert.“
Wohlmann runzelte die Stirn:„Hast ihm in den Hals gesehen?“
»Ja.#
„Mit Löffel?“
„Mit’nem Löffel.“
„Na— und?“
„Die linke Mandel ist dick. Mit gelben Pünktchen, Herr Direktor, Angina.“
„Kann man mit so was nicht singen?“
„Das müssen Sie doch’ wissen, Herr Direktor“, sagte Goldchen.
„Ich bin Geschäftsmann“, brummte Wohlmann.„Dumme
Gans.“


