ein tschechischer Arbeiter läßt sich in seiner eigenen Wohnung eure Kasernenhofmanieren gefallen?" Es war ein schwarzer, geschmierter Röhrenstiefel mit einem derben Absatz. Peter Elger fand es praktisch, sich zwar erhobenen Hauptes und langsam durch die Küchentür zurückzuziehen. ,, Esel", sagte er laut und schlug die Tür hinter sich zu. Grauer Kalk rieselte über seinen Trenchcoat.
,, Herrdumeineslebens", seufzte er laut. Die Leute waren hier wirklich verrückt; konnten alle deutsch , bildeten sich ein, jeder Deutsche sei ein Nazi; ließen einen Deutschen überhaupt nicht zu Worte kommen. Wenn schon! Hol's der Teufel. In solchen Buden konnte ein anständiger Mensch sowieso nicht wohnen. Auch kurze Zeit nicht. Weiß Gott , was da für Wanzen waren!
Zur nächsten Adresse fuhr er eine halbe Stunde mit der Straßenbahn. Hier sah's schon besser aus. Fünfstockgebäude aus den 80- er Jahren; Säulen, Balkons, überlebensgroße Karyatiden aus altem, grauem Stuck. Ihre Riesenmuskeln erinnerten freilich stark an Leberwürste.
Das Zimmer, drei Treppen hoch, war überraschend. Nichts als Glastüren und Tüllspitzen. Drei große gläserne Flügeltüren nach drei andern Zimmern; alle drei verhängt mit meterlangen, zarten Spitzengardinen. Eine weiẞlackierte Tür führte in den Flur. Kein einziges Fenster. Quer auf dem hellgewichsten Parkett ein hoch getürmtes Riesenbett, in dieselben geblümten, weißen, gesteiften Tüllwogen eingehüllt. Lackierte Tischchen und Stühlchen. Rings an den Wänden, wie Schwalbennester an der Blumentapete klebend, schwanke Mahagonibrettchen mit spitzenporzellanenen Dämchen und Herrchen. Ein Zimmer, groß, blitzsauber, hell, undatembeklemmend. Ein rotwangiges slowakisches Mädchen, fast noch ein Kind, das den Zimmersuchenden hereingeführt hatte, kam mit der Hausfrau. Die übertrieben gepuderte, alte Dame lächelte mit falschen Zähnen Bubi Elger zu und nannte sofort einen auffallend niedrigen Preis. Ob wegen der Glastüren? Das Zimmer hatte auf eine besondere Art
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