Bubi Elger öffnete den Mund, um zu antworten.
,, Ich weiß, daß ihr faschistischen Mörderknaben euch als Verfolgte und Opfer aufspielt", fuhr die Dame heftig fort. ,, Gehen Sie. Ich habe mit Ihresgleichen nichts zu schaffen."
,, Allerdings bin ich ein Verfolgter", rief Elger nicht weniger heftig. ,, Ich bin ein Jude. Wissen Sie nicht, daß die Nazis Judenpogrome machen? Mich haben sie in einem SA- Keller“
,, Schweigen Sie mir von SA- Kellern", unterbrach die Gepuderte empört. ,, Ich weiß genug von euren Mörderhöhlen. Ihr nennt euch national und sozialistisch: ihr seid die Feinde jeder Nation, jeder Zivilisation und Kultur- von Sozialismus gar nicht zu reden; die Feinde jedes Menschenrechts." ,, Gewiß", schrie Elger die Dame war gar nicht übel,- ,, gewiß; Hitler " Weiter kam er nicht.
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,, Schweigen Sie hier, schweigen Sie in diesem Zimmer von diesem Namen", rief die Dame noch zorniger. ,, Sie ein Jude? Ich sehe es an allem"; sie endete leise und kategorisch: ,, Sie sind ein Nazi. Stehen Sie gefälligst von meinem Stuhl auf, den Sie böswillig zerbrechen wollen." Sie streckte gebieterisch die Hand aus. ,, Verlassen Sie mein Haus."
Bubi Elger war blaß geworden. Er ertrug es einfach nicht mehr, immer der Herausgeworfene zu sein. Er blieb sitzen. ,, Gnädige Frau", begann er mit erzwungener Ruhe ,,, Sie sind durchaus, völlig"
,, Verlassen Sie mein Haus", wiederholte die Dame.
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,, Durchaus völlig im Irrtum", schrie Bubi schon wieder kindisch aufgeregt und ganz unglücklich. Er sprang auf: ,, Ich bin ein deutscher Jude, Jude, Jude, trotzdem ich bis vor kurzem von meinem Judentum wenig wußte. Aber Sie, Gnädige, haben mich beschimpft, verhöhnt, beleidigt-"
,, Ich habe Sie gar nicht verhöhnt. Ich sage nur, daß Sie ein Nazi sind."
,, Geschlagen, am Boden gezerrt, verwundet, gefoltert haben sie mich. Hören Sie?" In seiner Erregung packte er die
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