Dame am Arm und schüttelte sie. Sie schleuderte mit überraschender Kraft seine Hand zurück.
,, Ein ruchloser Bube sind Sie. Buben mit solchen schönen, blauen Augen und tadellosem Scheitel und in solchem feinen Sportanzug wie Sie haben meinem Neffen das Gesicht verstümmelt. Weil er ein Tscheche ist. Ein Slawe ist ja für euch kein Mensch."
,, Gnädige Frau", stammelte Bubi Elger ,,, ich bedaure-" Das kleine slowakische Landmädchen stand plötzlich neben ihm und flüsterte: ,, Sie tun mir aber schrecklich leid, junger Herr Jude. Ich haben alles verstanden. Mein gnädige Frau dürfen Sie nicht aufregen so sehr. Mein gnädige Frau ein sehr unglückliche Dame."
Die Stimme und Art dieses Mädchens waren so treuherzig, daß Bubi Elger vorübergehend zur Vernunft kam. Auch der Zorn der Tschechin ließ nach: ,, Sei still, dummes Ding", sagte sie ruhiger. ,, Und Sie, gehen Sie endlich."
,, Gleich. Ich gehe. Sofort, gnädige Frau", sagte Elger geschmeidig. Durch diese geölte Höflichkeit, die er nun einmal gelernt hatte, bestärkte er die Dame von neuem in ihrer Meinung, daß er ein Nazi sei. Besonders, da er sich wieder gesetzt hatte.
,, Er setzt sich wieder!" schrie sie.
,, Ich werde so lange hier sitzen, wenn Sie gestatten, bis ich Sie überzeugt habe,“
,, Ich gestatte nicht."
"
,, überzeugt habe- Lassen Sie mich einmal ausreden-: daß ich ein Leidensgefährte Ihres Herrn Neffen bin." Wieder machte Bubi Elger, Dr. phil. und cand. jur., Anstalt diesmal ruhig sein Hemd aufzuknöpfen. Die große Wunde auf der Brust war ziemlich verharscht und sauber mit Dermatolpuder bestreut.
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Die Dame wandte sich angeekelt ab. Unter dieser ausdrucksvollen Miene erblühte Bubis Ärger frisch wie eine aufspringende Giftknospe.
,, Bitte, gnädige Frau. Ich falle nicht weiter lästig", sagte
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