Freiheit zu gelangen, glaubte er, durch Liebedienerei an die SS eine Chance für seine Befreiung zu entdecken. Er beherrschte die russische Sprache und fand als Dolmetscher Verwendung und kam mit der Lagerleitung in Berührung, der er sich als Feind der Kommunisten erklärte. Er war der geeignete Mann für Spionagedienste im Lager. Wie allen Menschen seines Schlages gebrach es ihm an Weitblick und Klugheit. Er witterte einen augenblicklichen Vorteil und setzte die erwiesene Undankbarkeit der SS nicht in Rechnung. Er beging zuletzt die Dummheit, daß er mit der SS schließlich gegen die SS zu intrigieren begann, was zu seiner eigenen Vernichtung führte, nachdem er durch seinen Verrat eine große Anzahl Menschen ausgeliefert hatte.
Auch Gallipavi war eine dunkle Existenz. Er hatte schon in anderen Lagern sein Unwesen getrieben und galt in den Augen der Lagerführung als eine Koryphäe der Gemeinheit. Zusammen mit dem Häftlingsdolmetscher Siegel, der im Herbst 1944 in die SS eintrat und an der Niederschießung von russischen Kriegsgefangenen im Januar 1945 beteiligt war, war auch er ein gefährlicher Verräter. Zwei weitere Kreaturen dieses Schlages waren der Blockälteste Jahnke, der ebenfalls in die SS eintrat, und der„ Volksdeutsche" Kokoschinski, ein ehemaliger Lehrer, der schon in den Jahren 1941/42 für die Gestapo gearbeitet hatte und der jetzt, als Vorarbeiter der Poststelle, seine Fähigkeiten als Vertrauensmann der SS unter Beweis stellte.
Diese Männer, Häftlinge wie wir, waren also nun unsere Vorgesetzten. Über ihre feindliche und verräterische Einstellung waren wir uns nicht im unklaren und wir versuchten, uns gemeinsam mit dem Arbeitseinsatz zur Wehr zu setzen.
Im Frühjahr 1944 wurde eine Sonderkommission der SS eingesetzt, die unter dem Vorsitz eines Herrn Corneli in einigen Räumen des Verwaltungsgebäudes der SS - Totenkopfstandarte Oranienburg amtierte. Der Auftrag dieser Kommission blieb für uns im Dunkeln. Sie war mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet, stand als Beauftragte des Reichs- Sicher
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