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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Selbst die Fußsohlen wiesen Tätowierungen auf und als man ihm das Haupthaar abrasierte, sah man, daß die blauen und roten Ornamente, Zeichnungen und Spruchbänder sich sogar über den Scheitel erstreckten. Dieser seltsame Mensch war voll­kommen gesund und würde noch leben, wenn nicht die SS­Ärzte auf den Einfall gekommen wären, sich der Haut dieses Mannes als einer Trophäe von ganz besonderer Eigenart und Seltenheit zu bemächtigen. Der Mann wurde wenige Wochen nach seiner Einlieferung durch eine Injektion getötet, seine Haut abgezogen und gegerbt. Jahrelang schmückte diese schau­rige Rarität eine der Wände des anatomischen Hörsaales. Haut­stücke von Tätowierten wurden gelegentlich auch in der Buch­binderei des Lagers zu Bucheinbänden und Lampenschirmen verarbeitet. Ob man in solchen Fällen den ursprünglichen Be­sitzer des betreffenden Hautstückes hiefür umbrachte, weiß ich nicht.

Wesentlich besorgter war die SS allerdings um ihre eigene Sicherheit, als in den Wintermonaten 1941/42 Flecktyphus ausgebrochen war und als erste Opfer das Leben einiger SS­Scharführer forderte. Dieses Ereignis, das die Lagerführung erinnerte, daß der Tod auch vor dem silbergestanzten Symbol auf den Mützen der SS - Angehörigen keinen Halt machte, gab den Anlaß zu durchgreifenden Gegenmaßnah­men. Die Desinfektion sämtlicher Lagerbauten und Häft­lingskleider wurde angeordnet und durchgeführt. Schutz­impfungen fanden statt, die Inbetriebnahme einer eigenen Entlausungsanstalt und strenge Isolierung der Kranken ver­hinderten eine Ausbreitung der Seuche. Eine allgemeine Qua­rantäne wurde verhängt und die Arbeit in sämtlichen Betrie­ben eingestellt. In dieser Zeit wagte sich kaum ein SS- Mann in das Lager, was die Angst vor der Seuche herabsetzte und unsere Stimmung erhöhte.

Wir wurden mit dem Sortieren von Zivlikleidern beauftragt, die kurz vorher auf mehreren Lastwagen in das Lager geschafft worden waren. Sie kamen aus Auschwitz . Sie bestanden aus Tausenden von Bekleidungsstücken, Anzügen, Mänteln, Frauen­

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