schließlich starben. Wer nicht mit einem der diensttuenden Pfleger befreundet war, tat besser sich im Falle einer Erkrankung selbst zu helfen.
Für Juden und Slawen war eine Behandlung im Krankenbau fast ausgeschlossen. Wohl wurden sie bei einer Erkrankung von ihren Blockältesten in das Revier geschickt, aber die Behandlung, die ihnen zuteil wurde, war in keiner Weise dazu angetan ihren elenden Zustand zu mildern. Viele Stunden lang mußten sie, in Fünferreihen ausgerichtet, im Freien, vor dem Eingang zur Aufnahmebaracke ausharren, bis man ihre oft schon Wochen alten Verbände erneuerte oder sie in einen jener furchtbaren Massenblocks steckte, die im Bezirk der Heilanstalt für Menschen zweiten und dritten Ranges vorgesehen waren. Der Zustand, in dem sich diese Unglücklichen befanden, bot in den wenigsten Fällen eine Aussicht auf Heilung. Die vernachlässigten Wunden waren in Brand übergegangen und schmutzstarrende Verbände bildeten eiternde Infektionsherde.
Es wäre indes ein Irrtum zu glauben, daß Mangel an Medikamenten und Verbandstoffen die Schuld an solchen Verhältnissen trug. Der Krankenbau des KL Sachsenhausen war eine in jeder Hinsicht modern eingerichtete Anstalt. Laboratorien, Röntgenstation, die septischen und aseptischen Operationssäle mit ihren Vorbereitungsräumen, Ambulanz, Apotheke, das Medikamentenlager, Zahnstation, Pathologie, alle für ein solches Institut charakteristischen Einrichtungen befanden sich in sauberem, tadellosem Zustand. Aber es war nicht die Absicht der SS den kranken Häftlingen zu helfen, sondern der Krankenbau diente Forschungszwecken und die Kranken waren nichts anderes als Versuchskaninchen.
Hier erfuhr ich auch die Sache mit den tätowierten Menschenhäuten, der Skalpjägerei im Dritten Reich .
Im Frühjahr 1941 war ein rumänien deutscher Berufsverbrecher ins Lager gebracht worden, der das Interesse der gesamten Lager- SS dadurch erregte, daß er am ganzen Körper tätowiert war. Es gab an diesem Menschen nicht eine weiße Hautstelle.
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