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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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kamen immer wieder vor. Fast immer waren es Berufsver­brecher. Ihr Freiheitsdrang ließ sie den Versuch trotz der geringen Aussichten wagen, ohne Rücksicht auf die Folgen für das gesamte Lager.

Wurden sie wiederergriffen, was meist schnell der Fall war, bot die Lagerführung allen Scharfsinn auf, um den Wieder­ergriffenen einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Fünf­zehn bis zwanzig jüdische Häftlinge wurden mit schreiend bunten Narrenkappen geschmückt und mußten ein großes Transparent tragen, auf dem in Riesenlettern zu lesen stand: ,, Hurra! Hurra! Hurra!

Ich bin schon wieder da!"

Das gesamte Lager mußte wie zu einer Parade antreten, um Zeuge eines sonderbaren Schauspiels zu werden.

Der Wiederergriffene bekam eine große Militärtrommel um­gehängt und mußte damit an den auf dem Appellplatz an­getretenen Häftlingen vorbeidefilieren. Unter der fortwähren­den Wiederholung des obigen Sprechchores und unablässigem Trommelwirbel wurde er von einem SS- Mann durch die Reihen seiner Mithäftlinge geführt, während die grotesk auf­geputzten Juden das Transparent hinter ihm hertrugen. Die vollzählig versammelten Angehörigen der SS mit sämtlichen Lagerführern an der Spitze hatten ihre helle Freude an dem Aufzug.

Der Bock stand inmitten des Platzes und war mit Papier­blumen und Girlanden geschmückt. Auf ihm festgeschnallt er­hielt der Geflüchtete 50 Peitschenhiebe ohne Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand. Mit lauter Stimme mußte er die Hiebe selbst zählen. Keiner zählte länger als bis zwanzig. Dann ging das Zählen in ein gutturales Schreien, Lallen, Heu­len und Brüllen über. Dann hörte auch dieses auf und man hörte nur noch den zischenden Laut der auf den ohnmäch­tigen Körper niedersausenden Peitsche.

In zahlreichen Fällen blieb dem Wiederergriffenen diese höl­lische Komödie allerdings erspart. Er wurde, wenn er auf der

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