Bedingungen, als die Sklaven Adolf Hitlers das Großziegelwerk Oranienburg . Ich wurde an einen der wenigen noch in Betrieb befindlichen Öfen gestellt, wo wir die aus dem Vortrockner kommenden Steine über holperige Geleise in das Innere des Höllenschlundes schieben mußten. Wenigstens zehnmal am Tage geschah es, daß die im Feuer stehende Lore nicht mehr auf normale Weise aus dem Ofen gezogen werden konnte; der Stein hatte sich verbacken, war verglast und bildete eine formlose Masse, die den Lauf des Karrens behinderte. Wir mußten also in den glutheißen Schacht hineinkriechen bis vor die Feuerstelle und mit eisernen Brechstangen den aufgequollenen Stein von den Wänden lösen. Bald waren meine Hände und mein Gesicht voller Brandwunden, der Atem ging schwer, strahlende Hitze machte jede Bewegung zur Qual. Aus dem Gluthauch des Ofens ging es dann wieder hinaus in die eiskalte Zugluft der Halle. Es ist mir rätselhaft, daß ich damals nicht zugrunde ging. Um die Mittagsstunde trillerten die Pfeifen der Vorarbeiter, im Laufschritt bewegten sich die einzelnen Kolonnen zum großen Antreteplatz vor dem Werk, wo in Hunderten von Kübeln die Kartoffel- oder Kohlrübensuppe bereitstand. Im Stehen wurde gegessen, bei strömendem Regen oder brodelnder Hitze, bei Schnee und bei Frost.
Eine halbe Stunde dauerte die Pause, dann ging es wieder an die Arbeit, von der uns erst der hereinbrechende Abend erlöste. Gegen sechs Uhr erfolgte nach dem langwierigen Zählappell der Rückmarsch ins Lager. Monatelang mußten wir bei diesem Rückmarsch noch riesige Betonbrocken mit ins Lager schleppen, die dort zur Befestigung des Appellplatzes gebraucht wurden.
Wer einen Tag in diesem Klinkerwerk verbrachte, mußte zu der Erkenntnis kommen, daß hier ein beispielloser Raubbau an der menschlichen Arbeitskraft getrieben wurde. Aber die Arbeiter des Konzentrationslagers waren ja nicht ausschließlich Arbeiter, sondern für die nationalsozialistische Arbeiterpartei in erster Linie Verbrecher. Sie einfach zu beseitigen,
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