Tellermütze. Alle diese hundertmal geflickten, brüchigen und maßlos schmutzigen Gegenstände waren viel zu klein für mich. Doch erklärte sich ein kleinerer Mann, der zu weites Zeug erhalten hatte, mit einem Tausch einverstanden., Wir zogen uns an. Als das geschehen war, kannte keiner den anderen wieder. Ich selbst kannte mich nicht mehr. Als ich in den Spiegel schaute, schreckte mich der Anblick zutiefst. Ich war kein Mensch mehr, sondern eine Figur.
Nach dieser Einkleidung hatte ich nichts mehr, was mich noch an mein freies Leben hätte erinnern können, meine Brille ausgenommen. Alles andere war in den großen Sack gewandert, der meine Zivilsachen bewahren sollte bis zum Tag meiner Entlassung. Mit Trauer im Herzen gab ich alle die Kleinigkeiten ab: Füllfederhalter, Notizbuch, Bilder meiner Kinder, Nagelschere und Kamm. Noch war ich nicht gefeit gegen die weichen Regungen des Gemüts; noch machte mir meine Seele zu schaffen. Ich hätte an jenem Tag noch weinen können über die Schändung meines inneren und äußeren Menschen, aber ich begriff doch schon, daß es besser sei, einer solchen Regung nicht nachzugeben, denn ich wollte nicht zugrundegehen an dieser Vereinsamung. Ich habe niemals in den Jahren meiner Haft geweint, aber ich freute mich auf den Tag, da ich wieder einmal weinen durfte. Aber als der Tag dann kam, merkte ich zu meinem Schrecken, daß ich das Weinen verlernt hatte.
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