sich rechts die Torwache mit der Blockführerstube und links das Zimmer des Arbeitsdienstführers und die Räume der Postzensurstelle befanden. Im ersten Stock des Turmes A lagen die Zimmer des Rapportführers, der Lagerführer, der Aufnahmeraum mit der großen Häftlingskartei; der Turmbau war Aufenthaltsraum für die Turmwache und enthielt die Kanzel mit dem Maschinengewehrstand. Das hier auf eine drehbare Lafette montierte schwere Maschinengewehr bestrich nach der Lagerseite hin den gesamten Bereich des Häftlingslagers. Leichte Maschinengewehre befanden sich außerdem auf den zahlreichen, die Lagermauer unterbrechenden Wachtürmen.
Das erste, was uns, nachdem wir das Tor in diesem Turm A durchschritten hatten, auffiel, war ein weiter öder Platz, der Appellplatz und um diesen, im Halbkreis gruppiert, die grüngestrichenen Unterkunftsbaracken für die Häftlinge. Auf jeder Stirnwand der dem Appellplatz zunächststehenden Baracken prangten in großen weißen Buchstaben die Worte eines Spruchs, als dessen Autor uns später der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler , genannt wurde. In der Reihenfolge von Baracke zu Baracke gelesen lautete dieser Spruch: ES GIBT EINEN WEG ZUR FREIHEIT! SEINE MEILENSTEINE HEISSEN: FLEISS, GEHORSAM, NÜCHTERNHEIT, ORDNUNGSLIEBE, SAUBERKEIT, OPFERSINN UND LIEBE ZUM VATERLAND!
Die Vorliebe der Nationalsozialisten für derartige Kernsprüche bekundete sich im Konzentrationslager auch noch an anderen Stellen. Es gab kaum einen Amtsraum, in dem nicht irgendeine banale Feststellung Adolf Hitlers oder eines seiner Parteiphilosophen von der Wand leuchtete.
Dies alles lernte ich erst später kennen. An jenem 18. April mußte ich mich mit dem Weg zur Freiheit, den Herr Himmler mir wies, begnügen. Nachdem wir den Spruch gelesen hatten, erhielten wir den Befehl, seitwärts vom Tor Auf
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