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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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Das Konzentrationslager, oder wie es amtlich hieß, Schutz­haftlager Sachsenhausen, bildete in seiner Grundform ein riesiges Dreieck, das in Nähe seiner Basis von einer Straße durchschnitten wurde und infolgedessen in zwei Teile zerfiel, einen dreieckigen und einen trapezförmigen. Der letztere enthielt das Truppenlager; in ihm befanden sich die Kom­panie- Unterkünfte, Kasernen, das SS- Krankenrevier, das Füh­rerheim, ein Wirtschaftsgebäude mit Küche und Speisesaal, Stallungen, Garagen und ein weitausgedehnter Exerzierplatz. An der Straße lagen die langgestreckten Baulichkeiten des SS - Kraftfahrzeugdepots und schließlich das Verwaltungs­gebäude des SS- Standorts Oranienburg und des ,, Wirtschafts­Verwaltungshauptamtes". Der andere dreieckige Teil war das Häftlingslager. Auch dieses war aufgeteilt in mehrere Ab­schnitte, den schon erwähnten Kommandanturbereich an der Basis des Dreiecks mit den Unterkunftsbaracken für die im Lager diensttuenden SS- Angehörigen, einigen Verwaltungs­baracken der politischen Abteilung und dem Erkennungs­dienst, Kammergebäuden, Materiallagern, Garagen, der Kom­mandanturküche mit dem Kasino für SS- Unterführer, dem Luftschutzkeller einer unterirdischen Kegelbahn- und den Häusern des Wachkommandos. Außerdem noch eine breite Grünanlage mit einem Tiergehege, denn nach antiken Mustern hielten sich die Kommandanten des Lagers, mit Ausnahme des letzten, Bären, Affen und Bluthunde.

Dieser Kommandanturbereich war vom eigentlichen Häft­lingslager wieder durch eine Mauer getrennt, in deren Mitte sich, genau dem großen Lager- Außentor gegenüber, der Turm A befand ein breiter Zweiflügelbau mit einem turmartigen Aufsatz und dem eigentlichen Lager- Eingangstor, über dem in mächtigen Metallettern das Wort:

SCHUTZHAFTLAGER

stand. Über dem Gittertor prangte die übergroße Inschrift:

ARBEIT MACHT FREI.

Dahinter öffnete sich eine 5 Meter tiefe Einfahrt, in der

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