Druckschrift 
Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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J

Das Polizeigefängnis an der Ettstraße war im Gegensatz zum Gestapogefängnis das reine Zuchthaus. Aller Privilegien, die ich dort noch hatte, ging ich hier verlustig. Man nahm mir alles ab, was ich besaß: Bücher, Schreibgerät, Zigaretten, Le­bensmittel. Man stopfte mich in eine Zelle, in der sich vierzig Personen befanden, und zwar nicht nur politische Gefangene. Alte und junge Männer, gut- und schlechtgekleidete, saubere und abschreckend schmutzige, einige mit erträglichen mensch­lichen Gesichtern, andere mit weniger vertrauenerweckenden. Das alles schrie, tobte, stampfte, brüllte wüst und wirr durch­einander. Die einen sangen, andere beschimpften sich gegen­seitig oder liefen wie gefangene Mäuse in dem unfreundlichen, schmutzigen Raum auf und ab. Alle Augenblicke thronte ein anderer auf dem gußeisernen Klosettbecken, dessen Wasser­spülung schon längst nicht mehr funktionierte. Trotz des Ver­bots wurde heftig gequalmt, nicht etwa Zigaretten oder Zi­garren, sondern sogenannte Priemtüten, die aus getrocknetem Kautabak und Zeitungspapier hergestellt wurden und die einen Geruch verbreiteten, der sich in Verbindung mit anderen Ge­rüchen zu einer Atmosphäre verdichtete, die mit dem Aus­druck Knast einigermaßen treffend zu beschreiben ist. Als ich diesen Raum betrat und die eiserne Türe sich hinter mir geschlossen hatte, bekundete man sogleich ein respekt­volles Interesse für mich. Vielleicht vermutete man wegen meiner besseren Kleidung in mir den Angehörigen einer höhe­ren Verbrecherkaste. Als ich ihnen aber sagte, daß ich Schutz­häftling und eines politischen Delikts wegen hier sei, erlahmte ihr Interesse sichtlich.

,, Ob ich nichts zu rauchen dabei hätte?"

,, Nein, hier nicht. Man hat mir alles unten an der Pforte abgenommen." Großes Bedauern bei den einen und ein spöt­tisches Gelächter bei den anderen.

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Wie man nur so dumm sein könne!"

Ein älterer, recht sympathisch aussehender Mann trat auf mich zu und empfahl mir eindringlich, künftighin ja nicht mehr so dumm zu sein.

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