kommen war, daß ich durch mein oppositionelles Verhalten und auf Grund der Gefahr, in die ich das Unternehmen gebracht hatte, nicht länger tragbar sei. Ich war also ein freier Mann und mußte sehen, wie ich mich über Wasser halten konnte.
Mein Freund, Dr. Reifferscheidt, bot mir zunächst ein Asyl in seinem Sollner Heim. Ich schrieb hier einen Roman, der mir die Mittel zu einer Flucht verschaffen sollte. Leider erschien der Roman erst im Jahre 1940, zu einer Zeit, da ich mich bereits im Konzentrationslager befand.
Außer diesem Roman schrieb ich Artikel und Buchbesprechungen. Da dies meinen Namen wieder in die Öffentlichkeit brachte, wurde die Gestapo neuerdings auf mich aufmerksam. Offenbar hatte sie den Auftrag, mich als Schriftsteller auszurotten und so schickte sie mir, nachdem sie festgestellt hatte, daß ich keiner Kulturkammer angehörte, ihre Agenten in die neue Wohnung. Wieder wurde mein Arbeitszimmer durchstöbert und verdächtiges Schriftenmaterial mitgenommen. Was der Beamte, der schon genannte Herr Grimm, jedoch nicht fand, waren meine seit vielen Jahren mit großer Sorgfalt geführten Tagebücher, die in einem schwer zugänglichen Zwischenfach meines Bücherschrankes verborgen waren. Die Folge dieser neuen Fahndungsaktion war zunächst ein über meine schriftstellerische Tätigkeit verhängtes Arbeitsverbot. Ich durfte nichts mehr veröffentlichen, es sei denn, die Reichsschrifttumskammer erklärte sich bereit, mich als ihr Mitglied anzuerkennen. Daß sie dies nicht tun würde, stand für mich fest. Dafür sorgte schon der Vorsitzende der Ortsgruppe München im Reichsverband der Deutschen Presse , der Rechtsanwalt Dr. Held, der als treuer Diener seiner Partei den über mich verhängten Boykott nach besten Kräften sanktionierte. Außerdem erhielt ich wenige Tage nach dem Besuch des Gestapobeamten eine nicht miẞzuverstehende Einladung in die Geschäftsstelle der Geheimen Staatspolizei, die sich im ehemaligen Stadtschloß König Ludwig III. , dem Wittelsbacher Pa lais , an der Brienner Straße befand. Hier, in einem Turm
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