einen Sinn oder Zweck dieser Vorgang haben sollte, man erreichte damit auf alle Fälle, daß ich allmählich zu einer den Behörden bekannten und verdächtigen Person wurde. Damit war ich der Gefahrenzone des Konzentrationslagers bedenklich nahe gerückt.
Aber nicht nur in der Herbeischaffung derartigen konkreten Materials, dessen Beweiskraft mich irgendwann einmal zu Fall bringen mußte, leistete die Behörde Großes, auch mein Privatleben mußte sich Eingriffe gefallen lassen, ‚die jedes Polizeirecht überschritten.
Die Zerrüttung meiner Familienverhälinisse, wie man die im Jahre 1937 erfolgte Scheidung meiner Ehe nannte, lieferte einen neuen Vorwand zur Intensivierung der polizeilichen Arbeit.
“Aus mancher Not und verwirrendem Leid, das dem Men- schen aus einer seelischen Katastrophe erwächst, konstruierte man nun auch in dieser Richtung ein System von Beschuldi- gungen, das dem Bild, das man von mir haben wollte, den entsprechenden Rahmen verlieh. Ohne die mindeste Rück- sicht auf die Zurückhaltung des Mannes, die einen in solchen Fällen zum Schweigen verurteilt, wurde hier Privates und Allerpersönlichstes zum Gegenstand staatspolizeilicher Er- hebungen und Erörterungen gemacht. Das für mich so Nach- teilige daran war, daß der Abscheu vor diesem widerlichen Treiben, das jeder sachlichen Voraussetzung entbehrte, mich den immer deutlicher werdenden Gefahren gegenüber gleich- gültig machte. Es wäre mir damals vielleicht noch möglich ge- wesen das Schlimmste abzuwenden, hätte nicht die verhäng- nisvolle Einmischung einer im undurchdringlichen Dunkel der Anonymität arbeitenden Macht in meine privaten Verhält- nisse in mir eine Art Schwächezustand erzeugt und mich auf meine persönliche Sicherheit weniger bedacht gemacht.
Ich. übergehe die erbärmlichen Quälereien, denen ich zu jener Zeit ausgesetzt war, es genügt, wenn ich sage, daß ich im Herbst 1937 meine Stellung aufgeben mußte, nachdem auch der Aufsichtsrat des Verlages zu der Überzeugung ge-
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