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Kluge Menschen hätten damals die Flucht ergriffen oder sich durch eine eben noch rechtzeitige Konversion in die Arme der alleinseligmachenden Partei gestürzt. Mir fehlte dafür die Klugheit. Ich fühlte mich angegriffen und setzte mich zur Wehr. Ich tat, was in ganz Deutschland damals kein Schriftleiter zu tun gewagt hätte eine Feststellung, die von einem Angehörigen der Gestapo getroffen wurde, ich reagierte öffentlich auf die Angriffe der Parteipresse und verlieh meinen Rechtfertigungsversuchen offene Worte in Form von Erwiderungen in meiner Zeitschrift. Die Wirkung blieb selbstverständlich nicht aus. Die ,, Bewegung", die sich durch eine meiner Entgegnungen in ihrer Ehre gekränkt fühlte, strengte ein gerichtliches Verfahren gegen mich an. Das Gericht forderte eine Stellungnahme, die ich in einem Schriftsatz einreichte; aber anstatt nun daraufhin das Verfahren zu eröffnen, teilte man mir mit, daß der Antrag der„, Bewegung" mangels eines klagbaren Grundes zurückgewiesen worden sei. Ich habe mich später oft gewundert, daß sich nicht damals schon die Geheime Staatspolizei in die Vorfälle einschaltete; ja, die Geheime Staatspolizei selbst gab im Jahre 1940 der gleichen Verwunderung Ausdruck mit den Worten: Es ist uns unverständlich, daß wir Sie nicht damals schon unschädlich machten."
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Die Zurückweisung der Klage war jedoch mehr, als die ,, Bewegung" vertragen konnte. Sie beschloß meine Vernichtung. Zu diesem Zweck druckte sie einen alten Aufsatz von mir aus der Wochenschrift ,, Das Tagebuch" ab, und glaubte damit klipp und klar bewiesen zu haben, daß ich Kommunist und als solcher ein Staatsfeind und Hochverräter sei. Nun führte die Behörde bei mir eine Haussuchung durch; der Erfolg war gleich null. Man beschlagnahmte lediglich niemals werde ich den Sinn dieser Maßnahme begreifen- einen Band von Springers Kunstgeschichte und einige Handzeichnungen eines Freundes und Mitarbeiters. Was immer aber auch für
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