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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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FÜNFTES KAPITEL

Seit diesem Tage sind Jahre verflossen. In Deutschland sind die Schrecken des Krieges fast vergessen und vor allem die Jugend weiß nicht mehr von dem Leid und Grauen, die dieser Welten­brand dem eigenen Volk und der Welt brachte, als das, was die zugelassenen Bücher darüber berichten.

Eine bis dahin noch nie dagewesene Organisation erfaßt die letzten Kräfte und Vermögensgüter des Volkes, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und das immerhin als Dumping­manöver anzusprechende Verfahren, den Goldstandard der Reichs­mark abzuschaffen, bewirkt selbstverständlich ein zeitbedingtes Aufblühen des Binnenmarktes und der Inlandwirtschaft, was natürlich auf Kosten des internationalen Verkehrs, des Auslands­marktes und der Devisenbasis geht. Eine Zeit gebesserter Lebens­verhältnisse und eine Periode des guten Auskommens für jeden, der arbeiten will, beginnt. Zwar ist das Lebensniveau nicht mit dem der Vorweltkriegszeit vergleichbar, das als ein ausgesproche­nes Wohlleben angesprochen werden kann doch fühlt sich die breite Masse befriedigt und kann manchen Spargroschen er­übrigen. Man fühlt sich stark in Deutschland und eine jahrelange, geheime Rüstung begründet mit dem Motto, daß nur ein starker und wehrbereiter Staat den Frieden garantiere und sichere- lassen die Verwaltung wie einst die Kräfteverhältnisse über­schätzen und Forderungen und Methoden anwenden, wie sie ein junger, unerfahrener Mann im Bewußtsein seiner überschüssigen Kraft im berauschten Zustande zur Geltung bringt.

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Die Auswirkung ist immer die gleiche: Man gibt diesem jungen Manne nach, bis allzugesteigerte Anmaßungen Konflikt­stoff schaffen und es zu Verstimmungen und Händel mit dem Angerempelten kommt. Und da man mit diesem jungen Mann in Anbetracht seines Zustandes keine geistige Auseinandersetzung pflegen kann, andererseits seinem Willen aber nun nicht mehr entsprochen wird, kommt es zum Raufhandel.

Und so erleben wir 21 Jahre nach dem Verklingen der letzten Detonationen des Weltkrieges wieder eine gewaltmäßige Ausein­andersetzung und damit wieder einen Weltenbrand, der in seinen Räumen und Ausmaßen den Krieg von 1914/18 noch übertreffen soll.

Und wieder geht eine, Welle maßloser Verhetzung und Irre­führung durch das Volk, wieder opfern Millionen Menschen im Glauben an ihr vermeintliches Recht und ihre Ideale oder im

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