nicht mitteilen zu können, weil sie gar nicht sehen oder hören! Das ist unheimlich und einer der schmerzlichsten und wehesten Zustände. Ich höre etwa in der Stimme des offiziellen Ansagers der deutschen » Sendung«- oh, die ominöse Doppeldeutigkeit der Worte!- mit einer absoluten Evidenz, an der ich auch mit dem besten Willen nicht rütteln könnte, den infernalisch- stupiden Hochmut, der den Fluch unvermeidlich und freiwillig auf sich zieht, den unheilbaren, den» heillosen Zustand der Volksseele, die Gefallen an der Stimme findet, die mit ihr identisch ist, ohne daß die Besseren es auch nur merken. Manchmal bin ich versucht, Gott zu bitten, mich doch vor so wehtuenden Einsichten und so peinigendem geistigen Gehör zu verschonen. Was soll ich tun? Immer wieder versuche ich spontan, meine so verzweifelt klare Erkenntnis mitzuteilen, ich zeige sozusagen auf den einfach nicht überhörbaren und mißzuverstehenden Ton, den Ton, der identisch ist mit dem Ganzen und der Katastrophe, und immer werde ich geschlagen von dem Unbegreiflichen, daß der Ton nicht gehört, der Sinn nicht verstanden wird. Was soll ich tun? Gar nichts sagen? Schweigen? Oder zu spät sagen?
1. Mai
» Die Sackgassen«, von denen die Evolutionslehre spricht insbesondere auch bei Bergson- lassen mir keine Ruhe. Die geistigen Sackgassen, die es ohne Zweifel auch gibt, bilden sich im Reiche der» Freiheit, denn zu allem Geiste gehört die Freiheit. Es wird immer etwas von Schuld dabei sein. In philosophischen Systemen, die zu
297


