schen her heißt es, daß sie sehen und doch nicht sehen, daß sie hören und doch nicht hören, daß sie verstehen und doch nicht verstehen. Aber jeder, der das zum ersten Male sieht und ein- sieht, meint, er sei der erste, der es entdeckt, so unmittelbar und verblüffend ist der Eindruck.
Welch ein seltsamer Szenenwechsel: zum Aus- gang des Philosophierens den Zweifel nehmen, anstatt das Staunen. Es ist eine Revolution nicht bloß des Denkens, sondern auch und vielleicht primär und fundamental: des Fühlens. Und wahr- scheinlich ist es auch eine Revolution des Wollens.
Besteht nicht die Hälfte des Lebens, über die Hälfte des Lebens aus Warten? Auf eine be- stimmte Zeit, oft rein abstrakt- daß ich zwanzig Jahre alt werde? Auf eine unbestimmte, nichts- sagende Erfüllung in der Zeit? Und schließlich auf den Tod? Warten auf ephemere Erfüllungen, die diesen Namen doch nicht erfüllen und rasch enttäuschen, oder auf das Nichts des Todes? Das ist doch die Regel des modernen Menschen. Aber nur das Warten auf das Absolute und Ewige hat Sinn für den Geist. Alles andere ist Illusion und vanitas vanitatum.
Mich friert, wenn ich von stolzer Trauer hör’.
Ihr lügt! Ihr fühlt nicht Stolz, ihr fühlt nicht Trauer! Verzeiht! Ihr lügt auch nicht. Nicht einmal das!
Die tote Phrase tötet euer Herz,
Und eure Sprache haust im Wesenlosen.
Und war sie dennoch wahr, die stolze Trauer,
So seid ihr doch Unmenschen nur geworden:
Ihr fühlt nicht mehr, wie traurig dieser Stolz.
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