ist seligere Gerechtigkeit, als daß die Liebe Got­ tes immer größer ist als die Liebe des Menschen?

Auch für die Erlangung des Heilswissens ist die Pforte eng und der Weg schmal, solange man in via ist. Und wenn euch nicht ein Engel Gottes führt, geht ihr irre. Aller Selbstglaube, alles Selbstvertrauen, alles Selbstwissen sind schlechte und gefährliche Führer. Auch eure Neugier müßt ihr behüten lassen.

Es ist eine falsche Blickrichtung, die gewisse Menschen so maßlos unglücklich macht. Sie brin­gen wohl das große Opfer, das ihre ewige Selig­keit, das also Gott von ihnen verlangt. Aber sie starren hypnotisierten Blickes auf dieses Opfer- es wächst dadurch ins Riesengroße und Unerträg­liche. Ein Blick auf Gott , der doch in jedem Falle > mehr<< ist, unendlich viel mehr, als jedes noch so große Opfer, und der dafür eingetauscht wird, kann aus dieser Qual retten.

Welch eine mittelmäßige Idee des Rationalismus, daß das Opfer der Menschen für die Götter und für Gott eine Erfindung des Menschen und seiner Angst und Furcht sei. O nein! Das Opfer ist primär eine Idee Gottes, ja das ist zu wenig, es ist ein Sein Gottes. Das Opfer ist sozusagen von Ewigkeit zu Ewigkeit und mußte darum auch in die Zeit eingehen. Der sich opfernde Gott ist die Überfülle Seines Seins.

In der größten Öffentlichkeit wirkt Gott im Ver­borgenen, und ohne zu täuschen, täuscht er seine Feinde. Das gilt von alters her, und vom Men­

Tag- u. Nachtbücher 19

289