deutig. In einem Dialog ist der Mensch paradox definiert mit den Worten, daß zu seinem Sein auch sein Nichtsein gehöre. Aber das ist nicht absurd. Schließlich könnte man auch von Gott einigermaßen paradox sagen, daß zu seinem Sein auch sein Übersein gehört. Denn für den Verstand des Menschen ist ein Übersein auch ein Paradox. Beide sind Abgründe, die einander rufen und bedingen. Nur ein Übersein kann auch ein Nichts füllen.
Wenn das Gleichnis vom Sauerteig einen Sinn hat, dann kann es nur den haben, daß eine Verchristlichung der Welt, also ein Fortschritt zum Besseren im letzten Sinn, also des Guten und der Liebe, möglich ist; denn man kann doch dieses Gleichnis nicht allein auf den einzelnen beschränken, wo es natürlich immer wieder beobachtet werden kann. Es hat ja keinen Sinn, die Wirkung des Sauerteigs im großen zu leugnen. Ein christliches Leben des einzelnen aber kann eine Gewohnheit im Sinne der Automatisierung nicht werden[ das ist sogar der genaue Gegensatz!], und wenn im einzelnen nicht, dann um so weniger in einem ganzen Volk oder gar in der Masse. Es ist immer wieder ein Aufschwung nötig, und der» Feind<< fordert durch seine neuen Angriffe, durch seine. neuen Auffassungen vom Wesen des Menschen [ die freilich in der Regel nur scheinbar neu sind] ihn zu neuer Entscheidung heraus, zu neuem Gebrauch seines freien Willens. Alle Gleichnisse aus der physischen und biologischen Welt reichen eben immer nur bis zu einem gewissen Grade, sobald sie auf das Leben des Geistes angewendet werden. Und Geist haben heißt eben: wissen und merken,
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