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Metaphysik aber und vollends in der Theologie kommt der Mensch ohne Paradox nicht aus. Da ist zum Beispiel das»Werden«. Was ist das, das Werden? Ein Sein, das noch nicht ist, ein seiendes Nichtsein- ein nichtseiendes Sein. Das ist in echtem Sinn ein Paradox, und zwar ein un- vermeidliches für das menschliche Denken wie für des Menschen Sprache. Zwar gibt es eine Philo- sophie, die heraklitische und alle ihre Wieder- holungen in der Geschichte, für die das Werden ein einheitlicher und einfacher Begriff ist, weil es nämlich für sie ein»Sein« nicht gibt. Aber diese Philosophie trifft eben die ganze Wirklichkeit und Realität nicht, weil es in dieser eben ein »Sein« gibt. Diese Philosophie wäre also, wenn sie wahr wäre, doch nach der klassischen Defi- nition, wenn der Intellekt der Sache ganz an- geglichen wäre, nicht paradox, sondern einfach und gradewegs eins. So wäre auf der anderen Seite die eleatische Seinsphilosophie gar nicht pa- radox,sondern höchst einfach, wenn sie nur der res, der Sachlage entspräche, wenn sie nur ad- aequatio rei et intellectus wäre, indem sie nur das Sein, aber nicht das Werden für wirklich hielte. Nun aber ist eben das Werden und ist also vom Intellekt aus auch zu definieren. Das war die Auf- gabe der platonisch-aristotelischen Philosophie. Aber sie hatte kein anderes Mittel als eben das Paradox von einem seienden Nichtsein.

Das Paradox ist sehr leicht wieder durch ein Paradox zu erklären oder zu definieren, aber es ist nicht absurd. Dagegen ist auch das Absurde nicht paradox, sondern mit absoluter Eindeutig- keit zu definieren; es ist in keiner Weise zwei-

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