daß der Mensch zugleich prädestiniert und frei ist, oder daß Gott zugleich absolut gerecht und absolut barmherzig ist, erklärt, daß diese Wider­sprüche in Gott eine Lösung finden, und zwar eine, die den Satz vom Widerspruch nicht auf­löst. Das freilich ist ein Mysterium, aber nicht ein x- beliebiges, sondern innerhalb einer bestimm­ten göttlichen Offenbarung.

Der letzte Ausdruck einer absoluten Verzweif­lung wäre doch der: es ist immer so gewesen und wird immer so sein. Es wäre die Verzweiflung Gottes, denn den einzelnen Menschen würde ja immer wieder der Tod erlösen.

Eine christliche Gesellschaft ohne Einzelne, die » verschnitten sind um des Reiches Gottes willen, ist nicht vollkommen, auch im äußeren Sinne nicht; ihr fehlt ein Zeichen und Merkmal. Klöster freilich können eine zeitlich bedingte Form sein, aber wer, wie es teilweise im Protestantismus war,» Mönche« und» Nonnen« diffamiert und trotzdem die» wahre« Lehre haben will, der kastriert sozusagen das Christentum. Er leugnet die spirituale Kraft, die es einem Menschen schon in diesem Leben möglich macht zu leben, wie nach dem Tode alle leben werden. Freilich ist die Ehelosigkeit nicht durch» Ethik«,» Moral<< allein zu erreichen, sie ist eine Berufung und Gnade und erst auf Grund dieser auch eine Ethik und Askese. Die Worte Christi:» Wer es fassen kann, der fasse es«, lassen darüber ja keinen Zwei­fel. Die zehn Gebote kann ja jeder-» fassen<<.

Ich habe dargelegt, daß die Sprache auf Grund

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