innerhalb der großen Tugend der Geduld. Es gibt aber auch eine höllische Geduld. Und die ganz großen bösen Werke können ohne sie nicht getan werden. Ein gewöhnlicher natürlicher Mensch, auch wenn er ganz gern das Böse zu er­reichen und zu besitzen wünscht, bringt die dazu notwendige Geduld einfach nicht auf. Es ekelt ihn vorher. Gegen einen solchen bösen Menschen kann kein gewöhnlicher guter Mensch aufkom­men, es sei denn, ein Engel helfe ihm. Wer kann acht Stunden lang den Arm in die Höhe strecken? Moses konnte es nicht, ohne daß ihm geholfen wurde. Wer kann Zehntausenden hintereinander, nicht indem er jeden dadurch zum» Einzelnen< vor Gott isoliert, sondern im Gegenteil: dadurch jeden zur» Masse« degradiert, die Hand drücken? Wer kann das außer einem Besessenen? Wer kann das Brüllen nicht von Tier-, sondern von Men­schenherden immer ertragen? Außer wer Gott und den Menschensohn und den Geist haẞt?

Die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wird als bedeutendstes Ereignis die Entstehung katili­narischer Groß- Staaten verzeichnen. Der Nihi­lismus, verbreitet in einzelnen theoretischen Gei­stern, wird» Banden« gründen, welche sich der Staaten bemächtigen, wenn» die Stunde des Bö­sen« gekommen ist.

Der» spirituale menschliche Verstand versteht, daß er eine qualitative Grenze hat gegenüber dem» göttlichen« Verstand. Es ist ja durchaus möglich, daß eine solche Grenze wäre, ohne daß es der menschliche Verstand weiß oder je wissen könnte[ und das ist ja in der Tat sehr oft der

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