andern Wort habe ich übrigens so sehr das Ge­fühl, von Gott unter ein unerfüllbares Gebot ge­stellt zu sein wie hier. Bei keinem anderen Wort halte ich die Reaktion des Menschen für gegebe­ner als hier: dann muß der Mensch erstarren, dann darf er überhaupt nichts sagen, dann muß er schweigen. Aber Christus wird antworten: bei Gott ist auch dieses möglich. Nämlich keine un­nützen Worte mehr zu sagen. Ein Heiliger also wird keine unnützen Worte mehr sprechen.

Sie können seit gut einem Jahrhundert keine Kirchen mehr bauen. Alle neueren Versuche sind doch kläglich, öde Leere oder Krampf. Vielleicht ist es nur ein Zeichen und ein Ausdruck dafür, daß keine Kirchen mehr gebaut werden sollen. Die christliche Kirche tritt in eine neue Erschei­nungsform ein, deren Merkmal eben nicht mehr, wie seit anderthalb Jahrtausenden, die Kirchen sind. Die Kirche lebt schon und wird leben in partibus infidelium. Und in partibus infidelium kann zwar die Kirche sein, aber man baut keine Kirchen.

Fünftausend Judenchristen verließen geschlossen im Jahre 70 Jerusalem , um bei dem nationalen Aufstand nicht mitzumachen. Glatte Landes- und Volksverräter! Denn für einen nationalen Juden konnte dieser Aufstand nicht anderen Geistes sein als der des Makkabäus . Was war für die fünf­tausend Judenchristen zwischen den Makkabäern und den neuen Patrioten, die sich gegen das fremde Joch empörten? Der gekreuzigte Messias, der neue Glaube. Die Juden sind schon das aus­erwählte Volk. Zwar lehnten sie als Volk ihren

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