dem er lehrt, daß alle Gebote an einem einzigen hängen: an der Liebe zu Gott und zum Nächsten. In diesem Gebot ist alles enthalten, und die Hei­ligen können nach ihm leben, wenn sie ganz voll­kommen sind, sonst müssen auch sie unterschei­den. Schon der, welcher nur um einen einzigen Schritt hinter dieses Gebot zurückgeht, und das tut zum Beispiel der, welcher lehren würde, alles hänge an dem Gebot der Gerechtigkeit: jedem das Seine- schon dieser Gerechte bringt die Welt aus den Fugen, denn die Menschen können nicht leben und bestehen ohne Barmherzigkeit. In der rechten Liebe aber ist beides: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Die Menschheit ist eine Einheit als Idee und Schöpfung Gottes. Auf dem Grunde dieser Einheit sind sie gleich und ungleich. Das Pathos dieser Unterscheidung liegt natürlich, wie immer, im Ewigen. Gibt es Ungleicheres als den Erwählten und den Nichterwählten? Aber beide sind Menschen. Die volle Wahrheit ist sehr viel anstrengender als die willkürlich vereinfachte. Jene erfordert Meister, diese ist der Teil der Stümper und das Machtvehikel böser Menschen. Die Welt hat die Folgen beider Simplifikationen erlebt:» die Menschen sind gleich«, und>> die Men­schen sind ungleich«. Jede falsche Vereinfachung ist eine Degradation des Intellekts, der dadurch verarmt, eine Perversion des Gefühls und eine Irreleitung des Willens.

Die Aufgabe des richtigen Professors ist: das Wis­sen, und zwar das Wissen jeder Art, auf die Ebene des Gleichgültigen zu bringen. Die Sache wird erst mißlich, wenn er mehr sein will oder wenn er gleich sein will dem, der sein Wissen auf der

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