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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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Kinder und junge Menschen haben von alten Leu­ten Vorstellungen, die diese selber nie haben. Der neunzigjährige Prinz Eugen sagte zu seinem eben­so alten Oberförster: wir fühlen uns doch noch ganz frisch, wir merken gar nicht, daß wir so alt sind. Wir nicht, Königliche Hoheit, aber die andern, antwortete der weisere Oberförster.

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Es ist für mich selber ein Problem, warum es mir überhaupt nicht einfallen kann, in diesem Men­schen, der doch heute der mächtigste der Welt ist und vieles» geleistet« hat, etwas menschlich groß zu finden. Nichts. Nur das Ordinärste, Gemeinste, Plebejischeste in freilich ungeheuerlichem Maß, aber das ist keine» Größe«. Ich weiß nicht, ob ein Zeitgenosse gegenüber Napoleon ähnlich empfin­den konnte, ich weiß es nicht. Aber gegen Hitler bringe ich an menschlichen Gefühlen nichts auf als grenzenlose Verachtung. Er ist mit Haut und Haaren das, wovor mir ekelt. Das ist das eine. Vor dem andern graut mir, aber das ist nicht mehr menschlich. Das ist die Stimme des Höllen­wolfes:» Ich werde ihnen ihre Kinder nehmen!< [ Hitler , 1937.]

Wer immer es auf die Freiheit der Völker und der Person abgesehen hat, der muß der Feind des Christentums sein. Die primitivste Art der Frei­heit ist: nach seiner Art zu leben. Dafür kämpfen zunächst noch ohne Reflexion die Völker, rein instinkthaft. Das liegt in der Natur und ist so im großen und ganzen recht und gerecht. Bald differenzieren sich innerhalb der Völker verschie­dene Arten«, sei es höheren oder niederen Wer­tes; sie suchen sich ihre Freiheiten«. Geschieht

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