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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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das ohne Zerstörung des Ganzen, so ist es ein großer Fortschritt. Führt diese Entwicklung zur Anarchie, so kann eine Reaktion eintreten, die künstlich- cum fundamentoin re natürlich- eine »Norm« der Volksart bestimmt, der allein und absolut die»Freiheit« zuerkannt wird. Das ist heute so in Deutschland . Die Folge ist die Knecht- schaft jeder vornehmeren und edleren Art. Schließ- lich ist es sogar die Knechtschaft, die Knechtung der Volksart überhaupt, denn wenn wir die Sache recht bedenken, muß man doch sagen, daß die Volksart sinnhaft niemals von einer einzigen Ge- neration allein bestimmt werden kann, und wäre diese sogar die reichste an Genies oder gar an Heiligen- es wäre doch immer eine Anmaßung. Nicht einmal über eine Pflanzenzelle, eine Tier- art, solange sie noch am Leben sind, geschweige denn über Arten des Menschen, der doch als Geist angelegt ist. Immer bleibt eine Möglichkeit offen, wenn nicht mehrere. Man sollte meinen, nichts sei klarer. Nun sehe man sich aber an, was heute geschieht! Geistig ein Unterdurchschnitt, Herren, die ressentimenterfüllt sich dafür rächen, daß sie einem geltenden[übrigens falschen oder falsch angewendeten] Bildungsideal nicht genügen konn- ten, daß sie das participium absolutum etwa nicht verstanden oder die Konstruktion der indirekten Rede: intellektuell also die vielen Malträtierten und Unterdurchschnittlichen; moralisch aber nicht bloß die Durchschnittlichen, Rohen, Brutalen, sondern vor allem die kriminell Veranlagten, ja die Diabolischen, die Bösen, die Haßerfüllten, die Gottes- und die Christushasser, die Hasser der Trinität: diese, sie alle bestimmen kategorisch, was deutsche Art ist; sie bestimmen für alle Zu-

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