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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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kunft, was sie sein soll. Sie müssen zu diesem Zweck alle Erinnerung auslöschen an alles Ver­gangene, Edle und Große, oder sie müssen dieses doch umfälschen in Niedrigeres. Aber man braucht sie sich nur recht vorzustellen, um sich zu sagen, daß dieses nicht dauern kann. Hier ist nur die Wahl: Dieses Unternehmen scheitert, oder es kommt überhaupt das Ende.

30. Dezember

Roosevelt hat gesprochen. Es scheint, daß er end­lich weiß oder doch ahnt, worum es geht. Ganz sicher ist das freilich auch nicht. Immerhin, er hat zuweilen die richtigen Töne angeschlagen. Es geht nicht bloß um die» Demokratie«: es geht um > den Menschen«. Es geht darum, ob die Mensch­heit ihr Ende besiegelt mit dem Siege der Lüge, ob die Menschheit endet als Schurke und als Knecht; ob der» Deutsche« dazu prädestiniert ist, das Reich der Finsternis für diesen Äon zu errichten. Ich glaube es noch nicht oder besser: ich kann es noch nicht glauben. Ich fürchte mich; nicht im­mer! Gott sei Dank! Das Wort: fürchtet euch nicht! hallt oft in meinem Herzen. Wir werden entsetzliches Elend haben, aber die schrecklich­sten Verbrecher Deutschlands werden wir los wer­den. Ich nehme mir heute schon vor, alles Schreck­liche zu tragen auf dem Grunde des Dankes ge­gen Gott, daß er dieses nicht zugelassen hat. Aber wie lange noch, o Gott, wie lange noch?

In diesen Tagen habe ich Ahnungen und War­nungen, daß ich lange leben werde, und zugleich doch auch wieder den Eindruck, daß ich noch nicht reif bin. Gott schütze mich!

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