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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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Glaube«. Es besteht, außer bei Gott, bei dem alles möglich ist, heute keine Möglichkeit, dem stolzen deutschen General die simpelste christ­liche Wahrheit beizubringen, etwa daß ein all­mächtiger Gott ja schließlich auch Herr über den Willen der Menschen ist, daß er sie lenken kann wie Bäche. Nein, wenn diese Prinzipien, der schiere Hochmut, die stupideste ewiger Wesens­wahrheiten, eindeutig so siegten dann ist Gott nie gewesen, dann ist alles Wahnsinn. Aber das hinschreiben ist schon Gewißheit, daß es nicht sein wird.- Mein Freund, beweisen diese Em­pörung und Verzweiflung, diese künstliche Stei­gerung beider nicht deutlich, daß du entweder nicht ganz nüchtern bleiben kannst, nicht ganz ohne» Entrüstung«, oder daß du das Äußerste eben nicht aushalten kannst, ihm nicht gewachsen bist? Denn schließlich, wenn die Prophezeiung Christi und seiner Offenbarung nicht leere Worte sind, dann wird es doch so zugehen wie heute und noch viel schlimmer. Ja, aber Gott wird die Tage abkürzen. Ja, aber Er bestimmt das Maß, nicht du! Ja, jawohl, was soll ich also tun? Dein Herz in Geduld fassen, mein Freund. Und dann: dürstet dich denn nach Gerechtigkeit? So, daß du dafür leidest?- Ja, ich weiß jetzt schon.

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Replik: Mein Glaube ist so dünn und so schwach wie ein Haar, und was an ihm hängt, so stark und so schwer, ach, schwerer und stärker als die Welt. Wenn es aber hält! Bedenke, dieses Haar ist die Gnade. Und die Gnade ist die Kraft Got­tes. Sie wird wohl die Welt halten können. Ach, Sie sind ein Dichter! Das scheint Ihre

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