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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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verstehen und die Kluft, die sie scheidet. Gewisse christliche Existenzen sind normal unverständlich. Sie hängen stündlich an einem Faden und wan- deln am Abgrund der Verzweiflung und fühlen sich fast zur selben Zeit»persönlich« in der Hand des allmächtigen Gottes, und alles ist überhaupt nur um ihretwillen da, sie sind zur selben Zeit weniger als nichts, und das ist alles nicht ein Ge- schwätz oder eine Propagandarede, sondern das alles ist einfach Wahrheit. Das alles ist einfach so.

24. Dezember

In der Nacht, da Christus geboren wurde, spra- chen die Führer des deutschen Volkes von der deutschen Weihnacht. Kann Gott noch Gott hei- ßen nach diesen greulichen Lästerungen seines Namens? Wehe den Söhnen und Enkeln! Und

überall jener schauerliche Stolz, am offenbarsten

in der Rede des Generalfeldmarschalls von Brau- chitsch:»Das Meer ist für England eine Mauer nur, solange es uns paßt.« Gott kann um nie- mand mehr Mauern bauen, wenn Hitler es nicht haben will.»Gott hat uns gesegnet.« Also sprach der Generalfeldmarschall und fuhr fort:»Gott wird uns auch ferner nicht verlassen, wenn«- ja wenn, was denn? wird er den seit Anbeginn des Betens einzig möglichen Nachsatz anhängen, die uralte Formel: wenn wir ihn nicht verlassen? Nein, das wußte ich mit tödlicher Sicherheit, daß er es nicht sagen werde, aber was dann? Er fuhr fort:»wenn wir uns nicht verlassen.« Also, das ist die Bedingung für Gott, an die er gebunden ist: wenn wir uns nicht verlassen, das heißt also nach ihrer Meinung: Hitler nicht verlassen, muß Gott uns helfen. Das ist der»stolze deutsche

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