Druckschrift 
Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen

wer schreibt, will gelesen werden, und nicht bloß von sich selbst.

Im allgemeinen wollen die Deutschen gar nicht, daß Gott zuviel mache; sie möchten am liebsten alles selber machen. Am liebsten sich selber mit dem Schopf aus dem Nichts ziehen. Selber schul­dig werden, das auch natürlich, dazu braucht man keinen mächtigen Versucher. Und dann: sich selber erlösen! Ja keinen Erlöser! Selbst ist. der Mann! Und wenn man selber alles getan hat, dann muß Gott seinen Segen geben, er ist mora­lisch dazu verpflichtet. Ein deutscher katholischer Theologe hat, einer ähnlichen Linie folgend, es fertiggebracht, Gott als causa sui zu bezeichnen, das barbarischeste, plebejischeste Theologumenon, das ich kenne.

Es werden viele Gedanken geäußert und nieder­geschrieben, deren Autoren es nur tun in der Hoff­nung und Erwartung, daß die Leser diese Ge­danken viel besser und tiefer verstehen werden als sie selber. Das ist gar nicht unmöglich. Aber ein gewissenhafter Denker hat doch Scheu, das zu tun. Er will einen Gedanken erst selber ken­nenlernen, ehe er ihn auf die Menschen losläßt. Er kennt die Gefahren noch unerkannter Ge­danken.

Viele Durchschnittschristen können sich überhaupt keine Vorstellung von der Weise des Satzes ma­chen, daß es beim Vater viele Wohnungen gibt und daß viele zu Ihm gehören, die nicht sichtbar zu Seiner Kirche gehören, während hinwiederum die Menschen der» Welt« die Enge dieses Satzes nicht

192