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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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den Sie beschreiben, mag es geben, und er ist sicherlich unglücklich, ja verzweifelt und der Barmherzigkeit Gottes zu empfehlen, vorausge­setzt, daß er nicht als» Lehrer«, also als Häre­tiker, auftritt; denn vergessen Sie nicht, daß Marcion ungefähr solche Ansichten hatte und daß ihn der heilige Polykarp einen Sohn Satans nannte. Unser Glaube ist, daß Gott der allmäch­tige Vater ist und Christus Jesus Sein Sohn, der zu Seiner Rechten sitzt und dem alle Macht ge­geben ist im Himmel und auf Erden. Das ist » Glaube«.

unser

Replik: Es gibt einen Druck, den ich einfach nicht von mir abwälzen kann; ich kann ihn tragen, aber ich zittere unter ihm. Es ist doch unser Glaube, daß unser Wille frei ist, übrigens sogar unsere Erfahrung. Wäre unser Wille nicht wahr­haft frei, so wäre unsere Verantwortung, ich meine vor Gott , ja sinnlos. Auch wäre der Mensch ohne Würde, deren Frieden mit der Freiheit ist. Anderseits ist unser Glaube, daß Gott alles vor­ausbestimmt- gewiß, ich weiß es, auch unsere Freiheit als Freiheit. Es ist der Ruhm der echten christlichen Theologie gegenüber einer zögernden und halben, daß sie in vollkommener Unerschrok­kenheit die Konsequenzen aus beiden Sätzen zieht, auch wenn sie einander zu zertrümmern scheinen. Und sie täten es für den Rationalisten von einer Ebene: sie stoßen einfach zusammen und heben einander auf. Das tun sie nun nicht in der echten Theologie des unverfälschten Glaubens, in der geläuterten Theologie der Kirche. Hier und nur hier geschieht so etwas wie ein Wunder des Ver­standes zur gloria Dei. Es ist, um die Sprache

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