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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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meint. Ja, ich bin immun.- Im übrigen ist das alles unnatürlich und etwas krampfhaft. Es war auch nicht völlige unmittelbare Wahrheit in Kierkegaard.- Ach, es ist heute der 12. Dezember 1940,»der hundertundvierte Tag im zweiten Jahre des Krieges, den Hitler entfesselte«, und du hast Lust, dich mit solchen inaktuellen Spielereien abzugeben? Wird einer, der das in zwanzig Jah- ren lesen wird, nicht unwillig werden darüber und vollends über deine rhetorischen Fragen? Ach, es geschehen merkwürdige Dinge. Vielleicht wird es gerade ein ehemaliger Junker einer Ordens- burg sein, der es lesen wird, dankbar, daß zur selben Zeit, da sein Heiland Hitler die Welt völlig zu zerfetzen drohte, in Deutschland noch private Dinge ernst genommen wurden.

Es ist ein großes Privilegium des Menschen: Er kann und darf sagen, daß der Segen eines Vaters oder einer Mutter, wenn sie mit Gott einig sind, sozusagen die Engel bindet. Daß einer nun gar seinen Feind»segnet«, das muß auf einen natür- lichen Menschen unnatürlich und unmenschlich wirken. Die Fähigkeit, einen solchen Segen spre- chen zu können, und ich meine nun in vollkom- mener Wahrhaftigkeit, nicht bloß in Ausführung eines Gebotes des priesterlichen Amtes, ist, nach meiner Meinung, weitaus das höchste Charisma; es setzt die Feindesliebe voraus, die, man über- sehe das doch nicht, dem natürlichen Menschen nicht bloß unverständlich, sondern auch unmög- lich ist. Ein jüdischer Philosophieprofessor, kein großer Philosoph, aber ein gescheiter Mensch, hat zugegeben, die Feindesliebe, wie das Christen- tum sie gebietet, schon als Möglichkeit überhaupt

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