Daß es die christliche Theologie nicht allein mit dem» Denken« zu tun hat, verraten die Theologen selber sehr bald. Mancher vermag ausgezeichnet die Gedanken und deren innerlogische Beziehung zu entwickeln und stolpert sofort, wenn er es mit Konkretem oder substantiell Geschichtlichem zu tun hat, das eben nicht bloß » Gedanke« ist und diesem oft kaum zu gleichen scheint. Kierkegaard hat vollkommen recht: die Reflexion, die Selbstbesinnung, die Rückwendung auf die Gleichzeitigkeit mit Christus ist ein Erfordernis des christlichen Denkers. Kann er das nicht, so ist er vielleicht immer noch ein genialer Denker von Gedanken, aber er ist nicht im strengen Sinne ein christlicher Denker. Das Leben Christi mit den Menschen jeder Art und jeder Stellung ist so reich, daß jeder Mensch trotz der Verschiedenheit des damaligen Lebens von den heutigen Situationen finden kann, wo er in allem Ernste die schwere Frage zu stellen hat: was hätte ich in diesem Falle getan? Selbstverständlich darf er auch diese imaginäre Prüfung nur mit der Hilfe der Gnade anstellen. Sonst könnte er vielleicht verzweifeln. Und das ist sicherlich nicht der Sinn der Sache.
Die» Replik eines Schriftstellers«< ist nicht gut gelungen. Ich würde ihn besser sagen lassen: ich bin gegen gute wie gegen schlechte Kritiken immun, und zwar kraft einer complexio oppositorum, die ich bin. Ich bin zu gleicher Zeit so eingebildet auf den Wert all dessen, was ich schreibe, daß es mir vollkommen gleichgültig ist, was einer darüber sagt, und so überzeugt, daß es nichts ist, daß es mir wiederum gleichgültig ist, was einer dazu
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