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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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nur der, welcher objektiv die größte Wahrschein­lichkeit hat, einzig zu sein. Der Abgrund des Wahnsinns also wäre, daß Gott einen Doppel­gänger hätte, eine Idee, die Gott nicht haben kann.

Das war kein schlechter Satz, den ich irgendwo geschrieben habe, daß einer seine Heimat nur in seinem Heimweh hat und kennt. Meine irdi­sche Heimat, nach der ich oft viel Heimweh hatte und habe, sie habe ich ja real gehabt und gekannt, aber die ewige Heimat, sie kenne ich nur in mei­nem Heimweh.

Es ist doch schrecklich, wie wenig in dem Bewußt­sein des Menschen von dem ist, was in den Jahr­millionen seiner Geschichte geschehen ist, und wie schlechthin maẞlos und phantastisch das Miß­verhältnis ist zwischen der realen Bedeutung der Geschehnisse des Tages und der angemaẞten und hinausgeschrienen. Wie ist das in fünfhundert­tausend Jahren? Ach nein- wie ist das in fünf Jahren? Wahrlich, es hat nicht jede Zeit so ge­brüllt wie diese; es hat doch Zeiten gegeben, die Scham hatten.

Ich habe keine große Hochachtung vor Menschen, die Gott sich als starres Gesetz vorstellen, wohl weil ich vor einem solchen Gott auch keine große Ehrfurcht hätte.

21. November

Wenn man einen Amokläufer nicht erschießen kann oder will, gibt es keinen andern Weg- er ist aber sicher, als ihn sich erschöpfen, verbrau­

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