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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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men. Sie beherrschen den Menschen am besten dadurch, daß sie ihn öffentlich und eindringlich lehren, er sei von Natur gut, und es gebe keine Sünde. Sie lehren die Menschen, daß sie seien wie Gott , und behandeln sie dann wie die ver- kommenste Canaille und wie das Vieh. Laß einen Menschen nur hoch von sich denken, und er wird Schein und Sein schwer voneinander unterschei- den. Er dünkt sich ein Gott und frißt Staub. Eine Zeitlang- das ist gewiß: nur eine Zeitlang.

In der Hauptursache des heutigen Zustands: des Abfalls von, des Ungehorsams gegen Gott laufen viele Teilursachen zusammen. Eine von ihnen ist diese: der Massengebrauch, also Mißbrauch des Gymnasiums. Newman hat davon abgeraten. Warum sollen Väter, sagt er, die ihre Söhne für Handel oder Gewerbe bestimmen, sie Griechisch oder Lateinisch lernen lassen? Für den Durch- schnittsverstand eines Kindes bedeuten Latein und Griechisch eine Vergewaltigung und, wenn der Lehrer unvernünftig ist, eine übermäßige Qual. In überwältigender Mehrzahl sind nun alle unsere»Führer« Schüler unter dem Mittel- maß gewesen, wenn sie in humanistischen An- stalten waren. Sie rächen sich furchtbar und mit giftigem Ressentiment für die Schindereien und die Minderwertigkeitskomplexe, die ihnen ein zu hohes und unverständliches Bildungsideal ver- schafft hatte.

In jedem Menschen ist, glaube ich, die Angst vor dem Doppelgänger im absoluten Sinn. Auch der Mensch der Masse will original sein. Freilich, das ganze und letzte Grauen vor dieser Idee faßt

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