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Ist nicht alles in Ordnung, seitdem wir uns auf diese Welt und dieses Leben beschränkt haben und beschränken? Verzweifeln denn Tiere? Mein Lie- ber, es verzweifeln Menschen, und zwar viele Menschen.
Die Seligkeit des Himmels ist, daß jeder Mensch tun kann, was er will, nämlich, weil er die voll- kommene Liebe hat. In diesem Äon freilich graut es jedem Menschen bei der Vorstellung, daß die Menschen tun können, was sie wollen. Denn heute gibt es solche Menschen, aber sie rühmen sich, gute Hasser zu sein.
6. September
Ich habe zuzeiten phantastische Träume, die mir aber meist rasch entfallen oder überhaupt nicht einfallen. Heute nachmittag träumte mir: ich sitze vor dem Cafe Luitpold und schreibe. Meine Ma- nuskriptblätter liegen auf dem Tisch herum wie nachts zu Hause, wenn ich zu schreiben pflege. Freunde stehen herum mit unbeweglichen Gesich- tern und sehen mich an. Plötzlich springt ein ele- gant gekleideter Mann von südländischem Typus hastig auf mich zu und will nach den Manu- skriptblättern greifen. Ich wehre mich erstaunt. Dann schreit ein anderer, ebenso elegant geklei- deter Herr: Halt! Der ist’s nicht! Wendet sich höflich zu mir: Entschuldigen Sie, dieser Herr hat Geschichten bestellt bei Moralla. Können Sie uns sagen, wo der wohnt? Ja, im vierten Stock, sage ich. Sie eilen in einen Hof, der plötzlich da ist. In der Hand des einen sehe ich eine Pi- stole, in der des andern einen langen Dolch. Ich erschrecke, lache aber verlegen laut auf. Die
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