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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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Freunde, unbeweglichen Gesichts, starren mich an. Nach einigen Minuten kommt einer der Män­ner zurück und winkt mir, rufend. Helfen Sie uns, wir können ihn nicht finden! Ein riesiger Lift steht bereit. Ich steige ein, allein. Der Lift fährt mit einem Ruck an und mit gewaltigem Lärm in rasender Schnelligkeit hinauf. Er durch­stößt das Dach und hält. Ich drücke wieder auf den Knopf und fahre in den vierten Stock zu­rück. Im Speicher rennen Leute hin und her, die ich nicht erkennen kann. Es ist unheimlich, und ich fürchte mich. Auf einmal stehe ich auf einem Balkon vor einem Dachfenster mit Geranien. Da­hinter steht ein uralter Mann mit eisgrauen Lok­ken bis auf die Schultern. Er spielt Harfe; vor ihm ein kleines Mädchen von zehn Jahren, dem er erzählt im Märchenton: und weißt du schon, gestern kam Mariele als Geräusch zu ihren Eltern zurück. Dann wachte ich auf, verblüfft nach­sinnend, wie ein Kind als Geräusch zurückkehren könne. Und wahrscheinlich verdanke ich nur diesem Nachsinnen überhaupt die Erinnerung an den Traum. Mein Gott, wo sind wir, wenn wir schlafen?

Wie unsicher und zerbrechlich ist die Freude des Menschen, auch wenn sie stark ist und unbezwing­lich scheint! Ein leiser Hauch nur weht sie dir weg von der Stirn und löscht ihr strahlendes Licht aus in deinem Herzen. Und es ist Nacht. Evan­gelium Johannis 17.

Die verlangte deutsche Welt- und Vorherrschaft beruht auf folgenden Prinzipien und wird durch sie begründet:

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