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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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tilismus ist. Dieser diesseitige Glaube enthält als metaphysischen Kern und religiösen Ersatzpunkt diese Absurdität: die Ewigkeit des deutschen Vol­kes in einer Welt, die selber nicht ewig ist. Wenn wir dieses glauben, sollen wir genau das erfüllen, was der deutsche Herrgott« von uns verlangt. Das ist der Glaube, welcher dem Deutschen als Ersatz für den christlichen Glauben geboten wird. Wer diesen Glauben nicht bekennt, ist zum min­desten nicht würdig, am öffentlichen Leben teil­zunehmen. Unsere vorchristlichen Ahnen haben natürlich keinen solchen Nonsens geglaubt. Um das möglich zu machen, brauchte es die Halb­bildung, die heute den Mißton angibt.

Gewisse Wörter nehmen einen psychologischen Gebrauch, der den ursprünglich rein logischen Sinn überwuchert. Wenn zum Beispiel einer sagt: Ich hörte Schritte und suchte sie zu deuten. Aber der sie machte, war nicht der, den ich erwartete. Ich war enttäuscht. Rein logisch heißt das, daß er in einer Täuschung gewesen war und dann von ihr befreit wurde. Aber in unserem heutigen Sprachgebrauch sagt er mehr, nämlich daß der Mensch, den er, sich täuschend, erwartet hatte, ihm lieber gewesen wäre als der tatsächlich ge­kommene. Im entgegengesetzten Falle würde er sich anders ausdrücken, er würde sagen: ich hatte mich getäuscht, oder aber: ich war angenehm ent­täuscht.

7. Juli

Taube! Begleiterin weissagender Götter im ersten dunklen Advent. Botin des Heils und Zeichen des Heiligen Geistes - werde ich diese Ode er­

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