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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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‚er kann noch keinen Stern, der ist, auslöschen, oder einen, der noch nicht ist, anzünden. Aber ich bin vorsichtig in der Bestreitung der Möglich- keiten, einmal auch die kosmischen Kräfte aus- zunützen. Da ist manches zu erwarten.

Das sollten die zwei Jahrtausende Christentum nun endgültig gelehrt haben, daß keiner durch Gewalt irgendwelcher Art zum Christen gemacht werden darf. Das will Gott nicht, wenn er auch will, daß zuweilen einer das Reich Gottes mit Gewalt an sich reißt. Im ersten Fall wird die Freiheit eines Menschen vergewaltigt, im zweiten exaltiert, magnifiziert einer seine eigene Freiheit. Um die Freiheit handelt es sich! Im Modus der Freiheit hat Gott den Menschen überhaupt er- schaffen, um wieviel mehr den Christen, den homo spiritualis. Wie zart behandelt Gott in seinen Hei- ligen, Er, der Allmächtige, ihren freien Willen! Bis er sie zu der unerklärlichen Vereinigung mit Ihm geführt hat. Und er kann sie erst führen, wenn sie ihm eben- ihren Willen ganz geschenkt haben. Gott will den Willen des Menschen.

Je reicher ein Sein ist, um so mehr Bilder ver- langt es zur Beschreibung und um so inadäquater ist jedes einzelne Bild. Die Kunst des rechten Gebrauches des Bildes ist selten. Der eine ist zu logistisch und rationalistisch, er zeichnet das Bild bis zum letzten Strich, in der Meinung, ein [sprachliches] Bild müsse sich bis in alle Einzel- heiten decken mit dem, wofür es ein Bild sein soll. Ein sehr großer Irrtum in der sprachlichen Bildkunst, denn oft sind nur ein paar Striche, ein paar Farben des Bildes geeignet, und gerade ein

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