sen Seele nur Ohr dem Lärm dieser Tage war! Man wird entdecken, daß er sie taub gemacht hat für jedes vernünftige Wort.
Replik: Mein Freund, die Menschen von heute fühlen sich viel weniger erlösungsbedürftig als die Menschen vor zweitausend Jahren. Sie finden sogar das Leben in der Hölle ganz erträglich, denn sie sehen gar nicht, daß das die Hölle ist. Wie sollten sie nach Erlösung verlangen? Wer hat Durst nach Gerechtigkeit? Sie trinken ja die Ungerechtigkeiten wie Wasser, nein, sie schmecken ihnen wie edler Wein. Wer hat denn Hunger nach Wahrheit? Sie essen die Lügen als ihr tägliches Brot und können nicht leben ohne sie. Und wie mit Wahrheit und Gerechtigkeit, so ist es mit Reinheit und Liebe. Und dann: sie glauben ja nur an ein diesseitiges Leben, sie glauben nicht an die Unsterblichkeit der Seele. Im äußersten Notfall ist also die Erlösung rasch zur Hand: der Tod, der Freitod oder, wie es früher hieß, der Selbstmord. Mein Freund, die Zeit ist ungünstig für eine Erlösungsreligion.
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Das Glück einer Stunde auszukosten und auch die Stunde selber, als Zeit, als Dauer in der Vergänglichkeit, das ist Sache des Alters, nicht der Jugend, es sei denn einer zu frühem Tode prädestinierten.
Wenn einer sieht, daß der andere die Dinge, über die er mit ihm redet, überhaupt nicht sieht, dann soll er mit dem Reden aufhören.
Die Macht des Menschen reicht weit. Er verändert, wo immer er ist, das Antlitz der Erde. Gewiß,
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