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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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heißt, sie hielten sie für unmöglich. Die Antwort war, daß sie allerdings nur mit der Hilfe Gottes möglich ist. Thomas durfte seine Hände in die Wundmale des auferstandenen Leibes legen, des­sen» Möglichkeit« er dadurch freilich so wenig verstand wie der einfach Glaubende.

Über einen Schriftsteller: Es hat den Anschein, als wolle er in seinen Schriften, und auch in sich, zwischen Glauben und Zweifel das Gleichgewicht halten, gleichsam über beiden stehen und warten, wer recht hat. Wahrlich, eine nur einem so selt­samen Wesen, wie der Mensch ist, mögliche Stel­lung. Gott schütze ihn!

Replik: Der Gegensatz von Glaube ist Unglaube , nicht Zweifel. Glaube und Unglaube können nicht zugleich im Menschen sein, wohl aber Glaube und partieller Zweifel, wenigstens auf der Oberfläche. In der Tiefe auch nicht. Eine Sondierung ergibt dann doch das eine oder das andere: Glauben oder Unglauben.

Eine saubere, reinliche Einteilung, die den An­schein der Vollständigkeit und der rechten Be­tonung der einzelnen Glieder erweckt, bereitet eine intellektuelle Freude, die aber nicht die Vor­sicht überdecken darf vor der Gefahr der Willkür und des Subjektivismus. Wie schwer ist die nähere Interpretation selbst der sichersten, allgemein­gültigen, objektiven Einteilungen des Seins, zum Beispiel Leben und Tod, Gut und Böse, Schön und Häßlich, Wille, Verstand und Gefühl! Wie fast unmöglich ist die Einsicht in ihre Verbin dungen untereinander!

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