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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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Einheit» Blüte« wie die eines wilden Kirsch­baumes. Die» Kultur« vernichtet nicht die Un­mittelbarkeit, sondern bereichert, veredelt, ver­schönt sie. Ja die Unmittelbarkeit als solche wird offenbarer.

Ein jedes Ding ist unausschöpflich für das» Sa­gen«, was es sei. Aber das liegt auch in der ersten erkenntnishaften Erfassung schon. Es wird erfaßt, daß der Verstand mit dem Ding nicht fertig wird.

Man gehört unweigerlich noch zur Welt, solange man sich eines gesellschaftlichen faux pas, einer verratenen Bildungslücke, eines sprachlichen Feh­lers, eines falschen Zitates mehr schämt als einer lieblosen Handlung.

Für eines der arrogantesten Unterfangen halte ich es, die Biographie eines Menschen zu schreiben, die über die äußeren Tatsachen hinausgeht und die innersten Motive anzugeben versucht. Zum Verlogensten gehören Selbstbiographien.

Es gibt immer mehr Politiker, die philosophieren, aber keine Philosophen, die Staaten lenken. Viel­leicht ist Salazar einer.

Tatsachen werden» erfaßt«, also in einer be­stimmten Weise» erkannt«, deren Möglichkeit uns unbekannt, ja unverständlich ist.» Wie ist solches möglich?« fragte Nikodemus , als Christus von der Wiedergeburt aus Geist und Wasser sprach. Und als Christus seinen Jüngern offenbarte, was eine Ehe ist, die Gott gefällt, erwiderten die Jünger, aus der Kenntnis der Menschen und ihrer selbst: daß es dann besser sei, nicht zu freien. Das

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