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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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bedarf, um einige Wahrheit zu haben. Wie soll ich etwas schmieden, was ich in der Regel gar nicht in Händen habe?

Das Sein setzt nichts als sich selber voraus. Das ist einsichtig und ist geoffenbart: Ich bin der Ich­bin, was freilich wahr ist. Es ist also nicht ein sozusagen seinsloser Wille, der das Sein erst er­schafft. Der Wille ist im Sein, so daß man frei­lich sagen kann: das Sein will sich selber. Das gilt vom absoluten Sein und von Gott . Anders ist es mit dem kreatürlichen Sein. Es setzt als Sein den göttlichen Logos voraus und, als Da­sein, den göttlichen Willen. Nur für das er­schaffene Sein kann man von einem Primat des göttlichen Willens sprechen.

Der echte philosophische Geist ist ein kontempla­tiver Geist. Nicht die Dinge, die man ändern kann, fesseln ihn, sondern gerade die, die man nicht ändern kann.

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes, nicht sein Zerstörer. Sie ist hierarchisch, nicht anarchisch. Und weil sie die Erfüllung ist, ist ihre Verletzung die eigentliche Sünde. An seiner Liebe wird ein Mensch gemessen.

Die» Wissenschaft« braucht notwendig eine posi­tive, historisch gewachsene,» zufällige<< Sprache auf einer allgemein verständlichen Ebene. Nicht so die» Weisheit«. Sie hat eine viel innerlichere, tiefere» Sprache« von geheimnisvollem Wesen, zu dem auch das Schweigen gehört. Was aber soll die Wissenschaft mit dem Schweigen? Sie soll

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