wahrhaft Mensch geworden. So muß denn auch notwendig ihr Bild das Bild eines wahrhaften Menschen sein. Das ließ freilich und läßt viele Auffassungen zu. Zeichen und Symbole gehören in eine andere Ordnung. Wir reden vom Bilde.

Kein Zeitgenosse Christi scheint das Bedürfnis gehabt zu haben, eine Zeichnung, ein Gemälde, eine Plastik von Ihm zu haben. Aber zweifellos ist es bald erwacht und auch befriedigt worden, und so fort und fort bis auf diese Tage in im­mer wechselnden Auffassungen und Stilen. Das wird auch nicht aufhören. Und ich sage es nur, um zum Maler und zu seinen Schwierigkeiten zu kommen, zum Maler von heute, zum westlichen Maler, der zunächst die Last einer Tradition von zweitausend Jahren zu tragen und mit ihr fertig zu werden hat. Er ist auf keinen Fall ein Naiver mehr und kann keiner mehr sein. Jeder Versuch dazu trüge das Stigma der Unwirklichkeit, der Unwahrheit, wenn nicht der Verlogenheit.

Die Evangelien und die Briefe der Apostel geben dem bildenden Künstler auch nicht die leiseste An­deutung über die äußere Erscheinung Christi, außer vielleicht über das Alter, und die indirekte, daß er sich gehabte wie andere Menschen seiner Zeit auch und sicherlich nicht durch äußere Ori­ginalität auffiel oder Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Der erste Grund ist, daß es über­haupt nicht in der Zeit lag, darauf zu achten, welche Augen, welche Haare, welche Nase die Person einer Geschichte hatte. Auch sonst wird ja in den Evangelien niemand in solcher Art beschrieben. Die einzige Ausnahme macht ge­

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