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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
354
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kommenen Kröte, und Kari und die Kinder, alles, was ich so liebhabe, alles, wonach ich mich jahrelang mit ganzer Seele sehnte, alles war ferner denn je. Wie war das möglich, wie kam das? Ich hätte weinen mögen vor Verzweiflung und Wut! Und da standen liebe, hilfsbereite dänische Menschen und warteten, weil sie den Brief mitnehmen und weiter­schmuggeln wollten. Die Norwegenhilfe! Meine liebe, geliebte Kari! Ich glaube, das war das einzige, in dem etwas Vernunft lag. Ich weiß nicht, wie das andere wurde. Ich mußte ja etwas schreiben, ich konnte ja nicht erzählen, daß es mir unmöglich sei. Nur einen kleinen Gruß: Auf baldiges Wiedersehen! Das mußte ich doch schreiben können! Und so zwang ich mich dazu und legte es in einen Briefumschlag, und diese merk­würdig lieben Menschen nahmen es mit. Und jetzt sitze ich wieder hier, genau so leer, genau so durcheinander und genau so betäubt wie vorher, ohne Verbindung mit der Wirklichkeit, weil sie tatsächlich so ist, daß ich nicht daran glauben kann.