Laufe von drei Monaten gestorben. Es war unheimlich, sie zu sehen. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit an so etwas.
Frode ist krank geworden. Die Stirnhöhlenentzündung hat wieder angefangen. Jetzt wird er nach Hause geschickt, und das ist gut so. Er kann es selbst noch nicht richtig fassen. Nach Hause! Frei! Nein, das muß ja auch unfaẞßbar sein.
Heute wurde mir ein Geschwür in der Armhöhle aufgeschnitten. Das tut weh.
Heute nacht, als ich wach lag, flogen feindliche Flieger gerade über unsere Dächer weg, und wir hörten ihre Salven von kleinen Kanonen oder Maschinengewehren. Sie haben die Fahrzeuge auf der Hauptstraße draußen beschossen. Nach allem zu urteilen, stehen die Alliierten nicht viel weiter als sechzig bis siebzig Kilometer von hier. Heute hören wir den Kanonendonner von der Front. Ein Transport unserer Kranken geht soeben ab. Ständig kommen neue Dänen und Norweger an. Alle haben Entsetzliches durchgemacht.
13. April 1945
Gestern war wieder eine kleine Kommission hier. Es waren Repräsentanten vom Internationalen Roten Kreuz. Sie gingen nicht viel herum. Als sie sich verabschiedeten, nahm einer von ihnen einen Norweger zur Seite und sagte: ,, Übergabe wird klappen." Was er nur damit gemeint haben mochte?
Frode zog gestern ab. Es ist merkwürdig, daß er weg ist. Aber ich bin froh darum, er hatte es nötig und verdient es mehr als viele andere. Es ist nicht sicher, wann der nächste Transport abgeht wahrscheinlich morgen.
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Mir ist es, als lebte ich in einer Halbwirklichkeit. Das, was geschieht, das, was geschehen soll, und das, was geschehen ist- alles gleitet irgendwie ineinander über. Und alles ist so stark und verdichtet, daß es einem den Atem nimmt. Jetzt, da diese langen, entsetzlichen Jahre bald vorüber sein sollen und die Stunde der Befreiung unmittelbar bevorsteht- jetzt ist es mir plötzlich, als wenn das Heim, sie und die Kinder so weit weg wären weiter denn jemals. Wie merkwürdig! Ich werde in
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