schnappen können. Sonst leben sie in dem kleinen Innenraum, der beinahe vollständig von ihren Betten eingenommen wird. Die Betten sind zweistöckig, in jedem liegen zwei Kinder. Ich sah süße Geschöpfe- französische, holländische, belgische und polnische. Sie kamen alle aus Auschwitz . Ein achtjähriger Junge hatte vier und ein halbes Jahr im Konzentrationslager verbracht.
Auf meine Frage, was für Experimente mit diesen Menschenkindern gemacht würden, hielt der Häftlingsarzt, der mich herumführte, den Finger warnend vor den Mund: davon dürfe man nicht sprechen- aber die Kinder hätten Einspritzungen bekommen. Was für Einspritzungen? Neue Warnung mit dem Finger, und flüsternd kam es: Tuberkulose! Ob tatsächlich wirklich tüchtige Wissenschaftler diese Experimente gemacht hätten? Ach, ja. Ein deutscher Professor, der so ähnlich wie Wiesmeyer oder Bismeyer hieß. Die Kinder sahen nicht aus, als ob ihnen die Experimente geschadet hätten. Es war keines gestorben, und sie waren auch nicht besonders schwer krank gewesen. Augenblicklich hat eines von ihnen, ein Sohn des Leiters des Rothschild- Instituts in Paris , Lungenentzündung. Aber der Junge wird gut gepflegt und befindet sich bereits wieder auf dem Weg der Besserung. Offensichtlich bekommen sie auch genug zu essen und haben insofern ein sorgloses Dasein, als sie nichts verstehen von dem, was mit ihnen und um sie herum vor sich geht.
Mein Freund, der Häftlingsarzt, der die Kinder offensichtlich liebgewonnen hat, schüttelte traurig den Kopf, als ich nach dem Schicksal der Kinder fragte für den Fall, daß das Lager evakuiert werden würde. Er bat, daß ich die schwedische Kommission fragen möchte, ob sie nicht etwas für die Kinder tun könnte. Ich werde das tun · aber ich bin darauf vorbereitet, daß auch das erfolglos sein wird wie beinahe alles, was man für Mitgefangene zu erreichen versucht.
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Die Kinder haben Essen und Süßigkeiten von uns bekommen, und sie sollen mehr erhalten, solange wir hier sind. Es wird nicht nur mit diesen Kindern experimentiert. Es stellte sich heraus, daß der ganze Block, an dessen Ende die Kinder
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