schicken könnten. ,, Ja- a, das könnten wir schon machen- aber das schaffen wir nicht mehr!" antwortete der Professor. Das wurde nachher unser Motto, denn der Professor antwortete mit denselben bezaubernden Worten, sooft es paẞte. Der Graf landete auch ähnliche Dinge, gerade an der Nase des Lagerkommandanten und des Lagerführers vorbei. War das ein Fest!! Zu erleben, daß die SS- und dazu die allerschlimmsten Büttel unserer Lagerwelt- wie Luft behandelt wurden! Sie vollkommen hilflos zu sehen und jämmerlich das war alles unbeschreiblich erfreulich. ,, Ist das der Teufel, von dem Sie mir erzählt haben?" fragte der Graf nachher draußen auf dem Platz Sverre Löberg und zeigte auf den Lagerführer Thumann, den Teufel von Lublin .
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Doch, es war ein großer Tag und ein märchenhaftes Erlebnis für uns. Jetzt besteht nur die Gefahr, daß wir gar zu übermütig werden, daß uns der Hut zu hoch geht! Der Anfang dazu ist schon da. Einige wollen nicht mehr arbeiten, sie weigern sich ganz einfach und pochen auf ihr ,, Recht". Das stimme nicht überein mit dem Vertrag, die Deutschen dürften sie nicht kommandieren usw. Als wenn wir irgendeinen ,, Kontrakt" hätten! Als wenn wir Bescheid bekommen hätten, daß wir etwas anderes geworden seien als ganz gewöhnliche Schutzhäftlinge, wie wir es die ganze Zeit über gewesen sind! Aber es wird schon gut gehen, wenn die Gemüter sich erst wieder beruhigt haben, und wenn es uns klar geworden ist, daß es noch einige Tage dauern wird.
1. April 1945
Heute ist der erste Ostertag und dazu noch der 1. April. Das Lager hat ,, frei". Für uns ist das jedoch kein Vorteil. Wir werden nämlich in unsere Stacheldrahtstraßen eingeschlossen und dürfen nicht einmal in die anderen Norwegerblocks gehen. Aber die Stimmung ist großartig, denn die Schweden waren auch gestern hier, allerdings ohne Bernadotte. Professor Runberg kam mit drei anderen. Sie brachten acht Lotten mit, die von heute ab regelmäßig auf dem Revier arbeiten sollen. Sie werden jetzt jeden Tag kommen. Es ist nicht zu glauben!
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